In der sechsten Runde der diesjährigen HMM stand für die Erste der Auswärtskampf gegen Diagonale Harburg auf dem Programm. Die Schrägen aus den südlichen Gefilden der Stadt zählen nach dem Abstieg aus der Landesliga und dem Verlust ihrer Dänen-Fraktion auch in der Stadtliga zu den Abstiegskandidaten. Wobei durch ihren Sieg gegen Wedel in der letzten Runde hatten sie den direkten Abstiegsplatz erst einmal verlassen und gingen mit Aufwind in den Kampf gegen uns. Kurzfristig mussten sie auf ihr Spitzenbrett verzichten, wir hingegen konnten zum ersten Mal in dieser Saison mit den gemeldeten 1-5 antreten, ja Benjamin gab sein Debüt zur Freude des Teams. Damit waren wir haushoher Favorit mit einer Gewinnerwartung von 5,8 Punkten. Dann trudelten plötzlich unerfreuliche Nachrichten im Chat auf. Nichts geht mehr bei S-Bahn- und Zugverkehr, auf unbestimmte Zeit war Harburg weder vom Norden noch vom Süden erreichbar. Grrrh! Maximilian in Buchholz, Eero am Hauptbahnhof und Benjamin in Wilhelmsburg gestrandet! Aber auch die Gastgeber hatten Spieler auf der Strecke, so dass man sich einigte den Beginn des Kampfes nach hinten zu verlegen. Kurz vor Halbacht waren dann aber alle Gestrandeten am Brett!
Auf den Brettern entwickelten sich recht schnell aussichtsreiche Stellungen. So setzte der Gegner von Felix an Brett 8 auf einen großen Leichtfiguren-Abtausch, doch Felix bestimmte die Reihenfolge, um damit dann entscheidend mit der Dame in die gegnerische Rochadestellung eindringen zu können. Das kannten wir diese Saison noch gar nicht, zum ersten Mal kein Rückstand, eine Startführung! Und es sollte noch besser kommen. Michael’s Gegner an Brett 2 war von dem Matt doch etwas überrascht, dies allerdings in schon hoffnungsloser Stellung. Doppelturm auf der zweiten Reihe sind schon eine Machtdemonstration, vor allen Dingen wenn der eine auch noch eine Mehrqualle ist. 2:0! Wow, ein beruhigendes Gefühl!
Als nächstes musste Thorsten an Brett 4 mit Schwarz ungewollt in ein Remis einwilligen, weil sein Gegenüber ein Dauerschach ausgepackt hatte. Da hätten sich die Ereignisse an Brett 7 beim Teamkäpten überschlagen können, im 18. Zug versuchte der Gegner bei einer Restzeit von acht Minuten mit seiner Dame Drohungen auf f2 zu initiieren. Statt das fünfzügige Matt auszupacken, ging Stefan beeindruckt in den Verteidigungsmodus

, um zu allem Übel mit 20. Tae1 das Pendel von +8,1 auf -5,8 katapultieren zu lassen! Nach Dxf2+ hätte Weiß ganz schön dumm aus der Wäsche geschaut! Stattdessen spielte Schwarz in hochgradiger Zeitnot Txe2 Txe2 gefolgt von Sxf2 und ließ damit nach Dh6+ das Turmmatt auf e8 zu. Puh! Zur Halbzeit also 3½:½!
Die nächste Entscheidung ließ nicht lange auf sich warten. Berthold an Brett 6 hatte in seiner Caro-Kann-Partie nach einem Tausch auf f3 die gegnerische Rochadestellung demoliert, mit seinen

Schwerfiguren die beiden offenen Linien fest im Griff, so konnte er sich mit 28. … Tc4 auch den immer wieder von Weiß angestrebten Damentausch leisten, denn, wenn erst der f-Bauer gefallen ist, dann geht es auch dem e-Bauern an den Kragen. Am Ende übersah auch Berthold’s Gegner mit wenig Zeit auf der Uhr das Matt. Der Mannschaftssieg war damit schon Mal eingetütet. 4½:½!
Übrig blieben die Partien der Gestrandeten! Maximilian an Brett 5 zauberte dann das nächste Matt auf’s Brett. Ein Turmopfer lenkte die entscheidende Verteidigungsfigur ab und öffnete den Weg für ein schönes Doppelläufer-Matt. Und auch Eero an Brett 3 kam mit einer Erfolgsmeldung in den Analyseraum. Materialgewinn war hier der Grund der Aufgabe. Benjamin an Brett sah sich anfangs in seiner Partie nach dem Eröffnungszug d4 mit 1. Sa6 von Schwarz konfrontiert und auch der schwarze Königsspringer wählte den Sprung an den Rand auf h6 ins Spiel. Eine eigenartige Eröffnungswahl! Nichtsdestotrotz befand sich diese Partie lange Zeit im Gleichgewicht, bis im ersten Zug nach der Zeitkontrolle der erste und gleich darauf der noch zweite Bauer fiel und der Gegner aufgab. Damit nahmen wir am Ende 7½-Brettpunkte im Gepäck mit auf die Heimfahrt.
Parallel zu unserem Kampf fanden zwei weitere Kämpfe statt, wo zu unserer Freude die Pinneberger gegen den HSK das Nachsehen hatten. Folglich war die Tabellenspitze wieder bei uns! 😊 Einen Tag drauf musste dann auch noch Konkurrent Barmbek gegen Altona überraschend Federn lassen. Die Paulianer hingegen haben sich in Niendorf schadlos gehalten. Nach sechs von neun Runden bilden nun St. Pauli und wir das Spitzenduo mit 9 MP, gefolgt von Pinneberg 8 MP und drei Teams (Eimsbüttel, HSK und Barmbek) mit 7 MP. Als nächstes geht es für uns gegen Eimsbüttel, dem Team mit den zweitmeisten Brettpunkten nach uns. Wieder ein Kampf wo es und Ganze geht.
