Ein Remis nach 46 Zügen

Diagram1

Raddatz, Michael (1986) – Scheele, Marcus (1908)  HMM 2013, Stadtliga A

Raddatz – Scheele

1.e4 c6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.dxc5 Sc6 5.Lb5 e6 6.Le3 Sge7 7.c3 Ld7 8.Lxc6 Sxc6 9.Sf3?! [Zu wenig um auf Vorteil zu spielen. Vielversprechender ist 9.f4.] 9…Dc7 10.Ld4 Sxd4 11.cxd4 b6! [Die Unterminierung des Bauern c5.] 12.cxb6 Dxb6 Schwarz hat ausreichend Kompensation für den Bauern durch das Läuferpaar, die Bauernschwächen auf d4 und b2, und die mangelnde Königssicherheit.

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13.Db3! Die Beste Option neben der sofortigen Rochade. 13…Da6! Schwarz vermeidet die Vereinfachung, gönnt dem weißen König nicht die Flucht und hält den Druck aufrecht. 14.Sc3 Le7 15.h4! Eine sehr schöne Idee meines Gegners. Die sehr anschaulich wird nach der Schwarzen Rochade. 15…0–0= Vergibt den Schwarzen Vorteil. Die Prophylaxe 15…h6 hätte dieses Gegenspiel gestoppt, aber in unbegründeter Sorge um g4–g5 entschied ich mich für die Rochade um meine Türme möglichst schnell ins Spiel zu bringen.16.Dc2 Tfc8 Genauer wäre 16…Tab8 gewesen. 17.Sg5 g6 18.Dd2 h6 19.Df4? 

Diagramm2

Dieser Zug bzw. Opfer kam überraschend für mich und schien mir nicht gerechtfertigt. Diese Annahme bestätigte sich in der Analyse, aber die Drohung ist stärker als die Ausführung. 19…hxg5! 20.hxg5 Kg7? Vergibt den möglichen Sieg und garantiert nur das theoretische Remis. 20…Lf8 Gesehen und in Betracht gezogen, aber ich wähle die unnötige hochriskante Variante mit 20…Kg7. 21.Th7 Le8!–+ (21…Kxh7?? 22.Dxf7+ Kh8 (22…Lg7 23.Kd2 Nebst Matt.) 23.Kd2 Nebst Matt.) 21.Th7+! Wie antizipiert muss Weiß noch einen Turm ins Geschäft stecken. 21…Kxh7 22.Dxf7+ Kh8 23.Kd2! Lxg5+ 24.f4 Lxf4+ 25.Dxf4

Diagramm3

Die Komplexität und Variantenmöglichkeiten überforderten mich und ich konnte keine forcierte Gewinnmöglichkeit für Weiß sehen. Weiß benötigt ein Extratempo um sein tödliches Mattnetz zu spinnen. Also da der Weiße König auch nicht viele Verteidiger sein eigenen nennen konnte entschied ich mich die Stellung weiter zu komplizieren und eigene Drohungen auf zu stellen. 25…Tab8? Die kritische Stellung, Weiß droht Matt nebst 25…– 26.Df6+ Kg8 27.Th1 — 28.Th8# 26.Df6+? 26.Th1+ Kg8 27.Dh6! Nur dieser Zug ist der Schlüssel zum Weißen Erfolg, nebst Matt in 2 und pariert auch alle Drohungen von Schwarz. 27…Txb2+ 28.Ke1 Tb1+ 29.Sxb1 Wie wir in dieser Variante sehen kontrolliert die Weiße Dame das Feld c1! 29…Tc1+ 30.Dxc1+– 26…Kg8 27.Dxg6+ Kf8 28.Th1 Txb2+ 29.Ke1 Tb1+ 30.Dxb1 30.Sxb1? Tc1+ –+  30…Ke7

Diagramm4

31.Db4+ Nur der zweit Beste Zug. Aber wohl verzeihlich da dieses Schach doch so naheliegend ist und gleichzeitig den Springer deckt. 31.Dg6! Der Springer ist Tabu, weil Matt in 2 Zügen droht 32.Df6 nebst 33.Th8# 31…Kd8 32.Th8+ Kc7 33.Sxd5+! Kb8 34.Db1+ Db5 35.Dxb5+ Lxb5 36.Txc8+ Kxc8 37.Sf4+– 31…Kd8 32.Th7 Dc6 33.De7+ Kc7 34.Dd6+? Weiß versucht in Zeitnot das Spiel zu vereinfachen und vergibt den Vorteil. 34…Dxd6 35.Sb5+! Kc6 36.Sxa7+ Kb7 37.exd6 Td8 38.Sb5 Kc6 39.a4 Ta8 40.Sc3 Kxd6 41.g4 Lxa4 42.Kd2 Ld7 43.Se2 Tg8 44.Th4 e5 45.dxe5+ Kxe5 46.Th5+ Kf6= Eine sehr schöne Partie mit viel Leidenschaft und taktischen Motiven die nicht einfach waren in ihrer Komplexität in allen Facetten zu durchschauen.  ½–½