Schmerzliche Niederlage

Diagramm15

Ziller, Christian (1981) – Scheele, Marcus (1908)

In Runde 4 der HMM 2015 in der Stadtliga A, mussten wir am 24. Februar gegen die Jungs vom Kiez ran. Atmosphärische immer toll, unkapriziös und ganz entspannt. 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 Die Abtauschvariante; Im Falle das Weiß nicht die bedrohliche Panov Variante mit 4.c4 wählt. 4.Ld3 Weiß sollte es Schwarz möglichst schwer machen sein weissfeldrigen Läufer zu entwickeln und deshalb übernimmt er die Kontrolle über das Feld f5 und nutzt den Vorteil, dass die Dame schon das Feld g4 abdeckt. 4…Sc6 5.c3 Dc7 Der moderne Zug, anstatt der Hauptvariante 5…Sf6; Schwarz imitiert das gegnerische Spiel und verhindert das gewünschte Lf4. 6.Se2 Insistiert auf die Entwicklung des Läufers. Schwarz kann dieses nicht verhindern, aber nun habe ich die Möglichkeit meine eignen Läufer ins Spiel zu bringen. 6…Lg4 7.f3 Sieht unschön aus, aber wohl die einzige Option etwas Spiel zu bekommen. [7.Lf4 Dxf4 8.Sxf4 Lxd1 9.Kxd1 e6 10.Lc2 Sf6 11.Sd2 Ld6 12.Sd3 0–0 13.Ke2 Tac8 14.Tac1 b5 15.a3 a5 16.Sf3 b4 17.axb4 axb4 18.cxb4 Sxb4 19.Sxb4 Lxb4 20.Se5 Ld6 21.Sc6 Txc6 22.Lxh7+ Kxh7 23.Txc6 Td8 24.Tb1 e5 25.b4 exd4 26.Kd3 Sg4 27.Tc2 Se5+ 28.Kxd4 Sc4 29.Te2 Lc7 30.Tc1 Lb6+ 31.Kd3 Ta8 32.Txc4 dxc4+ 33.Kxc4 Kg6 34.Kb5 Tb8 35.Kc6 La7 36.Ta2 Ld4 37.b5 Kf5 38.Te2 g5 39.Kd5 Lb6 40.h3 Tc8 41.Tb2 Tc5+ 42.Kd6 f6 43.g4+ Kg6 44.Ke6 Tc3 45.Kd5 Kf7 46.Kd6 Tf3 47.Kc6 Lxf2 48.b6 Tc3+ 49.Kd5 Lg3 50.b7 Lb8 0–1 (50) Kosov,I (2386)-Ovetchkin,R (2543) St Petersburg 2006] 7…Ld7 8.Lf4 e5!

Diagramm9
Diagramm 1

9.Lg3?! Am Zeitverbrauch meines Gegners gemessen war er wohl nicht vertraut mit der Stellung und 8…e5 traf ihn überraschend. 9.Lg3 leistet nichts für Weiß, aber die Konsequenzen von 9.dxe5 am Brett zu beurteilen ist auch sehr schwierig. [9.dxe5 Sxe5 10.0–0 Ld6 11.Sd4 Se7 12.Sa3 a6 13.Sac2 0–0= Mit hoch komplexen Figurenspiel und Chancen auf beiden Seiten.] 9…Ld6 10.Sd2 Besser wäre die Entwicklung 10.Sa3 nebst 11.Sc2 oder 11.c4. 10…Sge7 11.Sb3 0–0 12.0–0

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Diagramm 2

12…Tad8 Beide Seiten haben ihre Entwicklung abgeschlossen und der Übergang ins Mittelspiel steht an. Schwarz hat vielleicht eine leichte Initiative, aber wie fortsetzen? Nach meinen Notizen habe ich ca. 2o Minuten für den Zug 12…Tad8 aufgewendet. Abschließend lässt sich wohl nicht sagen welcher der Beste Zug ist. Als Kandidatenzüge kommen einige in Frage z.B. 12…Tfe8, 12…a6 welches eine Prophylaxe gegen einen möglichen Springerausfall nach b5 wäre, falls Weiß mit 13.dex5 Sxe5 14.Sed4 fortsetzt, aber wahrscheinlich etwas zu passiv ist oder 12…f6 welches das Zentrum stützt aber die Diagonal a2–g8 schwächt. 13.Kh1 Zu verhalten für mein Geschmack. 13…Lf5 Mit der Idee den aktiven Läufer abzutauschen. 14.Dc2?! Lg6 Diese Motive hatte ich schon vor Augen 14…Sb4 15.cxb4 Dxc2 16.Lxc2 Lxc2= welches aber nicht mehr als zum Ausgleich reicht. 15.Tae1 a5?! Mit der Absicht 16…a4 zu spielen und mit der Hoffnung verbunden das Weiß zu 16.a4 greift und 16.Sb4 mehr Durchschlagskraft bekommt. Aber das Prinzip Hoffnung ist kein guter Ratgeber im Schach und 15…a5 schwächt das Feld b5 wie anfänglich schon erwähnt. 16.dxe5! [16.a4 Sb4 17.cxb4 Dxc2 18.Lxc2 Lxc2 19.Sc5 Lxc5 20.bxc5 Sc6 21.dxe5 d4!] 16…Sxe5 17.Lxg6 S7xg6 18.Sbd4 Dc4 Aktive Verteidigung; Möglich ist auch 18…Dd7. 19.Sf5 Lb8 Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch 49 Minuten auf der Uhr. 20.Td1?! Tfe8 Mit der Drohung 21…Sxf3. [20…Dxa2 Habe ich verworfen, weil ich den sofortigen Rückgewinn des Bauern a5 antizipierte. 21.Ta1 Dc4 22.Sed4 (aber nach  22.Txa5? ist  22…d4  sehr stark.) 22…Sc6 23.Lxb8 Txb8 24.Tfd1=] 21.Tfe1? Vergibt den leichten Vorteil von Weiß. 21…Dxa2 22.Ta1?! Dc4 Es droht 23…Sd3. 23.Sc1?? Weiß zeigt Nerven und hat in den letzten Zügen seine Stellung ruiniert. Welches wahrscheinlich auch der Komplexität der Stellung und dem Zeitmangel, der sich langsam einstellte, geschuldet war.

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Diagramm 3

23…Sxf3! Nach genauer Prüfung wird die Grundlinienschwäche mit 23…Sxf3 ausgenutzt, aber mir verbleiben nur noch 33 Minuten für die restlichen 16 Züge. 24.Txe8+ [24.gxf3?? Txe1+ 25.Lxe1 Df1#] 24…Txe8 25.Sd3 Lxg3 26.Sxg3

Diagramm12
Diagramm 4

26…Sd4! Die beste Fortsetzung. Die Verwicklungen nach 26…Sxh2 sind immer noch Vorteilhaft für Schwarz, aber nach 27.Ta4 oder 27.Da4 zu undurchsichtig für mich. Bin halt doch nicht Mamedyarov. Mir verbleiben noch 18 Minuten für die restliche Züge. [An  26…Sxh2  habe ich lange gerechnet, aber nach 27.Ta4  verworfen. (27.Da4 ist eine weiter Option für Weiß, welches durch  27…Te3–+ wiederlegt wird.; 27.Kxh2? Dh4+ –+) Ich hätte aber mit 27…Dc7! fortsetzen können, weil  28.Kxh2 mit  28…h5–+ gekonntert wird. 27.Dd1 Sb3 28.Tb1

Diagramm13
Diagramm 5

Mein genaues Spiel in den letzten 8 Zügen belohnt die Engine Stockfish 6 (64 BMI2) mit einer Bewertung von -2.98 für Schwarz. Ein Sieg von mir würde uns die ersten 2 Punkte in dieser Saison bescheren. 28…Sc5 Mit dem Wunsch die Stellung weiter zu vereinfachen um meine Bauernmehrheit im Endspiel zur Geltung zu bringen. Aber de facto wäre es wohl besser den Druck aufrecht zu halten und einen profanen Zug wie z.B. 28…h6 zu spielen. 29.Sf2 Se4?! Ideenlos und leistet nichts. 30.Sfxe4 dxe4 31.Dd7 Dc6 32.Dd4 Sf4 33.Sf5 Se6?! Besser ist 33…Df6 34.Df2?! Dc5 35.Se3 Dg5?! Besser wäre 35…g6 oder 35…f5 gewesen. Mein Spiel wird zunehmend Reaktionsartiger. 36.Tf1 Dg6?! (–1.35) 37.Dh4 h6 38.Sf5 Sg5 39.Df4 De6?! [Zu empfehlen ist 39…Da6] 40.h4! Sh7

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Diagramm 6

Beide Parteien haben auf den letzten Drücker um 23Uhr die Zeitkontrolle geschafft. Von meinem deutlichen Vorteil ist nicht mehr viel übrig geblieben und ich habe mich mit unpräzisen Spiel in eine passive Situation manövriert. 41.Sd6 Tf8 42.Sxe4 Dc4?? Die letzte Hoffnung diese Partie doch noch für die Mannschaft gewinnen zu können vergebe ich mit diesem desaströsen Zug. Eine schwere Enttäuschung für mich und die Mannschaft, nach gutem Spiel, aber mangelhafter Fortsetzung. Mea Culpa! Nicht unerwähnt lassen möchte ich meinen netten Gegner Christian der mich zum Trost noch auf ein Bier einladen wollte, welches ich aber ausschlagen musste aufgrund meines langen Heimweges! 43.Sf6+ Sxf6 44.Dxc4  1–0

Christian Ziller – Marcus Scheele