VMCG-Schachfestival

Einer der Schachhighlights findet jährlich seit vier Jahren in Lüneburg im Seminares Hotel statt. In diesem Turnier passt einfach alles:

Ein großer Spielsaal mit über 50 Digitalbrettern, einen separaten Analyseraum, Übertragungsraum, gute Verpflegung, engagierte Organisatoren um Jonny Carlstedt und Martin Becker und viele nette Teilnehmer.

Als ich zur ersten Runde im B-Open kam, traf ich viele vertraute Gesichter vom Vorjahr wieder. Wie im letzten Jahr habe ich mich sowohl fürs B als auch für das A-Open angemeldet. Dies ist zeitlich möglich, da die B-Open Partien um 10 Uhr und die A-Open Partien um 16 Uhr gestartet sind.

Eine gewisse Schachverrücktheit muss für 16 Partien in 8 Tagen vorhanden sein ((:

Von der Setzliste im B-Open war ich an 2 gesetzt und erhoffte mir schon einen Podestplatz. Meine erste Partie spielte ich gegen eine junge Spielerin aus Erfurt und konnte sie mit einer Überraschungsvariante im Sizilianer, die ich übrigens von Berthold eines Abends im Spiellokal gezeigt bekommen habe, überspielen. In der 2. Runde stellte mein Gegner einen Bauern ein und somit die Partie. In der 3. Runde spielte mein Gegner die Pirc-Verteidigung, was übrigens wie „Pirtsch“ ausgesprochen wird wie mich nachher der Schachfreund Gerd Ziese verbesserte. Mit Gerd habe ich alle meine Partien analysiert und er pflegte bei Betrachten meiner Partien von kleinen, mittleren und großen Weltuntergängen zu sprechen.

In der 4. Runde opferte mein Gegner eine Qualität für einen luftigen König. Jedoch brauchte es zulange, um seine Figuren umzugruppieren, so dass ich ohne Probleme den Sieg einfahren konnte. Auch in der darauffolgenden Partie half mir mein Gegner, in dem er seinen König in der Mitte ließ, was ihm schließlich auch zum Verhängnis wurde. 5 aus 5 hört sich natürlich gut an, jedoch hatte ich die 2 stärksten Gegner noch vor mir.

Gegen den sympathischen und sehr theoriebewanderten Holger Raehse musste ich in der 6. Runde ran. Hier die Partie:

(1) Holger Raehse – Maximilian Reuter [A41]
VMCG Schachfestival Runde 6, 09.07.2016

1.Sf3 d6 Ich möchte ungern in eine Theorievariante hineinlaufen. Ich wählte deswegen den Black Lion Aufbau aus der Philidor Verteidigung. 2.d4 c6 3.g3 Sd7 4.Lg2 e5 5.dxe5?! Spannung im Zentrum muss man aufrecht erhalten. [5.0-0] 5…dxe5 6.0-0 Sgf6 7.b3 Le7 8.e3 0-0 9.Lb2 Dc7 10.c4 Te8 11.Dc2 Lf8 12.Sc3 a5 (Diagramm 1) bereitet Sc5 vor 13.Tfd1?! der Turm steht in der Diagonale des Springers. Besser wäre es mit a3 b4 vorzubereiten 13…Sc5 14.a3 Lg4 15.Se2 Lh5 16.b4 Lg6 17.Dc3 Sa4?! Zu schnell gespielt. Ich tausche zwar den starken Läufer ab. Jedoch könnte ich mit Sfe4 nebst Sa4 Weiß einschnüren und Vorteil bekommen [17…Sfe4! 18.De1 Sa4 19.Ta2 f5] 18.Db3 Sxb2 19.Dxb2 axb4 20.axb4 Txa1 21.Txa1 b6! verhindert c5 und die Einsperrung meines schwarzfeldrigen Läufers 22.Sc3 Ld3 23.Sd2 e4 24.Lf1 Dd6 25.Lxd3 (Diagramm 2) Dxd3? Die Dame steht zwar sehr zentral, doch sie steht nach Td1 falsch. Stattdessen nach exd3 hätte ich mir einen Freibauern schaffen können. [25…exd3!] 26.Ta6? Lxb4?! 27.Dxb4 Dxd2 28.h3 soll Sg4 verhindern 28…Sd7 deckt zwar b6 und strebt nach e5 und f3. Ist allerdings zu langsam, da ich noch ein Grundreihenproblem habe. Daher wäre das offensive Luftloch h5 richtig [28…h5! 29.Txb6 h4 30.g4 Sxg4 31.hxg4 De1+ 32.Kg2 h3+ 33.Kg3 Dg1+ 34.Kxh3 Te6] 29.Da3 geht aus der Fesslung und droht Ta8 29…h6 30.Ta8 Sb8? (Diagramm 3) ein Katastrophenzug, der jeden Vorteil wegschmeißt. Hingegen hätte das simple Txa8 ein theoretisches gewonnes Damenbauernendspiel gebracht. [30…Txa8 31.Dxa8+ Kh7 32.Dxc6 Dxc3 33.Dxd7 Dxc4 Kurioserweise hatte ich im letzten Jahr gegen Holger auch ein Damenbauernendspiel. Der einzige Unterschied war, dass ich einen Mehrbauern statt auf b auf der a Linie hatte. Damals hat es ebenfalls nicht zum Gewinn gereicht. ] 31.Sxe4! Txe4= Remisannahme! Gerd schimpfte in der Analyse nachher wie man an so einer Stelle Remis machen könnte. Da die interessanteste Phase des Spieles jetzt erst kommen würde. Er zeigte uns mehrere Varianten, die es in sich hatten: 32.Txb8+ Kh7 33.Df8 [33.Txb6? Txc4; 33.Tf8 Dd1+ 34.Kh2 Kg6 35.Da7 Df3 36.Da2] 33…Dc1+ 34.Kh2 Dxc4 35.Tb7 Kg6 36.Txb6 (Diagramm 4) 1/2-1/2

 

Nach meinem Remis gegen Holger, konnte der junge Florian von der Weißen Dame mit einem halben Punkt aufschließen. In der 7. und letzten Runde spielte ich gegen Florian. Ich lief voll in seine Vorbereitung rein und spielte viele strategische Fehler. Das es trotzdem zum Remis und Turniersieg reichte, war dem Umstand zu verdanken, dass er einen falschen Abtausch machte und mir kurz danach ein Remis anbot, was ich nach kurzem Zögern annahm.

Im A-Open lief es nur durchwachsend bei mir. Gegen schwächere Spieler konnte ich mich durchsetzen, jedoch gegen stärkere Spieler konnte ich nicht einmal einen halben Punkt ergattern. Mit 4,5 aus 9 im A-Open war es dann am Schluss ein Ergebnis mit dem man leben konnte.

Durch die Analysen mit Gerd ist mir sehr deutlich geworden, dass ich noch viel an meinem Schach arbeiten muss. Daher habe ich auch den größten Teil des Preisgeldes von 500 Euro in ein Chessbase 13 Programm und für Schachliteratur investiert.